managerSeminare, Mai 2007

Rückschläge besser wegstecken

Es gibt Menschen, die an Krisen zerbrechen, und solche, die selbst widrigste Situationen unbeschadet überstehen, die Rückschläge wegstecken, ja sogar gestärkt aus Misserfolgen hervorgehen. Letztere verfügen über so genannte Resilienz. Diese Fähigkeit ist neuerdings auch Thema von Managementtrainings. Denn: Psychische Widerstandskraft lässt sich erlernen.

Dass selbst ein Insolvenzantrag nicht das Ende bedeuten muss, beweist die Geschichte von Alfred Lanfer: Der Unternehmer aus Borken bei Münster beschloss, auch nach dem schweren Gang zum Amtsgericht für den Erhalt seiner Firma zu kämpfen. Den Mut verlor der gelernte Elektromechanikermeister und dreifache Vater auch nicht, als sich Stück für Stück herausstellte, dass ihn die betriebliche Insolvenz auch sein privates Vermögen kosten würde. Lanfer: „Zeitweise wusste ich nicht, ob ich am nächsten Tag aus meinem Haus ausziehen und zum Sozialamt gehen muss.“

Statt zu resignieren, verhandelte Lanfer mit dem Insolvenzverwalter, mit Gläubigern und Banken sowie den Firmen, die sein Unternehmen kaufen wollten. Mit Erfolg: Nur zwei Monate später ging das Systemhaus Lanfer mit neuen Investoren und frischem Kapital wieder an den Start - und schreibt seit dem ersten Tag schwarze Zahlen. Der 47-Jährige, auch heute noch Geschäftsführer und Gesellschafter in dem Unternehmen, ist froh, die schwierige Zeit überstanden zu haben. Heute betont er, wie wichtig es ist, auch in einer existenzbedrohenden Situation die Fäden in der Hand zu behalten, das Selbstvertrauen nicht zu verlieren und sich nicht klein zu machen. „Unternehmertum hat mit Risiko zu tun, und das kann auch auf der falschen Seite zuschlagen“, lautet seine Bestandsaufnahme.

Resilienz: Stehaufmännchen im Management

Alfred Lanfer wurde vor kurzem auf einer Gründermesse in Essen als erfolgreicher Restarter ausgezeichnet. Ganz offensichtlich hat er eine große Portion von dem, was derzeit unter dem Schlagwort Resilienz die Weiterbildungsszene beschäftigt. Gemeint ist psychische Widerstandskraft bzw. die Fähigkeit, Krisen und Rückschläge unbeschadet zu überstehen und sogar gestärkt aus ihnen hervorzugehen. „In der Umgangssprache würde man Menschen mit dieser Eigenschaft als Überlebenskünstler, Stehaufmännchen oder Glückskinder bezeichnen“, erklärt Micheline Rampe. Bereits vor drei Jahren hat die Journalistin in ihrem Buch „Der R-Faktor“ (siehe Kasten) das Phänomen Resilienz ausführlich vorgestellt. Derzeit – so beobachtet sie – „kommt es bei den Managementtrainern an.“

In Zeiten, in denen Fusionen, Umstrukturierungen und Firmenverkäufe an der Tagesordnung stehen, verwundert das nicht. „Wir bemerken, dass immer mehr Menschen mit Unsicherheit und Rückschlägen zu kämpfen haben und dabei an ihre Grenzen stoßen“, erklärt zum Beispiel Jörg Reher vom Bildungsatelier in Norderstedt bei Hamburg. Und Dr. Peter Kraft von synTeam im nordrhein-westfälischen Titz hat beobachtet: „Ein Karriereknick ist heute keine Seltenheit mehr. Die Kunst ist es, trotzdem nicht aufzugeben.“

Wie die meisten Trainer, die sich aus diesem Grund das Thema Resilienz zur Brust genommen haben, überzeugt Reher und Kraft vor allem die wissenschaftliche Untermauerung des Konzepts. Diese hat ihren Ursprung in der berühmten „Kauai-Längsschnitt-Studie“ der Amerikanerin Emmy E. Werner. Die Entwicklungspsychologin begleitete 40 Jahre lang rund 700 im Jahr 1955 geborene Einwohner der Hawai-Insel Kauai. Ihr besonderes Interesse galt dabei denjenigen 210 Kindern, die unter schwierigen sozialen Bedingungen aufwuchsen, in ärmlichen Verhältnissen, mit ungebildeten oder alkoholsüchtigen Eltern, in einem Umfeld voller Streit und Gewalt.

Zwei Drittel dieser Kinder fanden erwartungsgemäß nicht den Weg in ein erfolgreiches Leben. Sie hatten Schul- oder Drogenprobleme, wurden aggressiv oder gar straffällig. Einem Drittel der Risikokinder jedoch konnten die schwierigen Umstände nichts anhaben. Sie waren als Kinder und auch später als Erwachsene selbstsicher, zuverlässig und leistungsfähig. Es gab bei ihnen weniger Scheidungsfälle und Gesundheitsprobleme als in der Vergleichsgruppe.

Als die Wissenschaftler danach forschten, was die robusten Kinder und Erwachsenen auszeichnete, fanden sie heraus: Die Erfolgreichen waren flexibel, ausgeglichen, kommunikativ und wenig ängstlich. Sie hatten gute Problemlösefähigkeiten und konnten Dinge realistisch einschätzen. Zudem pflegten sie stabile Beziehungen zu Freunden aus gut situierten Familien und nahmen sich Lehrer oder andere Bezugspersonen aus der Nachbarschaft zum Vorbild. Diese halfen ihnen unter anderem dabei, eine positive Einstellung zum Leben zu gewinnen.

Forschung: 450 AT&T-Mitarbeiter beobachtet

Eine ähnliche – hier zu Lande weniger bekannte Studie - kommt sogar direkt aus der Wirtschaftswelt. So stellt der amerikanische Management-Psychologe und Bestsellerautor Al Siebert in seinem Buch „The Resiliency Advantage“ (siehe Kasten) eine Langzeitbeobachtung von 450 Mitarbeitern eines Tochterunternehmens des Telefonriesen AT&T vor. Das Unternehmen durchlief in dieser Zeit eine schwere, lang andauernde Krise. Was deren Auswirkung auf die Mitarbeiter anging, zeigte sich ebenfalls ein zweigeteiltes Bild.

So führte die Ankündigung von massiven Stellenstreichungen auch hier bei zwei Dritteln der Mitarbeiter zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen, die sich unter anderem in Migräne, Angstattacken, Depressionen und Herz-Kreislauf-Krankheiten äußerten. Wiederum ein Drittel der Mitarbeiter aber zeigte sich immun gegen die schwierigen Umstände, sie blieben zufrieden und gesund, ihre persönlichen Beziehungen waren stabil und ihre Leistungen im Unternehmen gut.

Die Krankheitsanfälligen, deren Fehlzeiten gestiegen und Leistungen abgefallen waren, berichteten in Gesprächen, dass sie sich ängstlich, verwirrt und kraftlos fühlten. Zudem äußerten sie häufig Misstrauen gegenüber dem Management. Die Erfolgreichen hingegen hatten mit sich selbst vereinbart, das Beste aus den widrigen Umständen zu machen. Sie glaubten fest daran, ihre Zukunft beeinflussen zu können. Und, so schreibt Siebert: „Sie empfanden es als Herausforderung, mit den schwierigen Umständen zurecht zu kommen.“

Psychische Widerstandsfähigkeit lässt sich erlernen

Dass diese Studien eine große Bedeutung für das Managementtraining haben, liegt vor allem an einer weiteren entscheidenden Erkenntnis der Resilienzforscher. Sie lautet: Jeder Mensch bringt zwar ein bestimmtes Maß an Resilienz mit, dieses ist aber keineswegs fest geschrieben. Im Gegenteil: Psychische Widerstandsfähigkeit lässt sich erlernen – und das auch noch im Erwachsenenalter. „Sie selbst haben ihre Resilienz in der Hand. Jeder kann lernen, schwierige Situationen besser zu meistern“, formuliert es etwa Andrew Shatté, Wissenschaftler an der University of Pennsylvania und Autor des Ratgebers „The Resilience Factor“ (siehe Kasten).

In den USA werden deshalb entsprechende Trainingsprogramme in Schulen angeboten und haben bereits vor Jahren im Managementtraining Einzug gehalten. So hat etwa Shatté mit dem Institut Adaptiv Learning Systems bei Firmen wie dem Computergiganten Microsoft, der Investmentbank Merrill Lynch und dem Autohersteller Ford Resilienzprogramme eingeführt. Und auch der britische Pharmakonzern Glaxo Smith Kline hat bereits ein umfangreiches Trainingsprogramm zum Thema aufgelegt.

Das ist schlau – wie die Resilienz-Befürworter finden. „Schließlich brauchen Unternehmen gerade in turbulenten Zeiten tatkräftige und nicht vor Angst erstarrte und verwirrte Mitarbeiter“, erklärt Micheline Rampe. Bei den Coachings und Workshops, die sie selbst für Einzelpersonen, Non-Profit-Organisationen und Unternehmen anbietet, arbeitet sie mit den „Sieben Säulen der Resilienz“ (siehe Kasten) – einem Konzept, das im deutschsprachigen Raum derzeit häufig zitiert wird. Dieses gibt einen kompakten Überblick über die Fähigkeiten, die ein Mensch zur erfolgreichen Krisenbewältigung braucht.

Zu den sieben Punkten zählt unter anderem der feste Glaube daran, dass Krisen überwindbar sind. Wichtig ist aber auch die Lösungsorientierung. Schließlich geht es auch darum, zu überlegen: „Was ist das Beste, das ich in der jetzigen Situation tun kann?“, erklärt Rampe. Oder: „Wie gehe ich mit dem Stress um, der oftmals eine schwierige Situationen begleitet und sorgfältig überlegtes Handeln verhindert?“ Hinzu kommen weitere von den Resilienzforschern herausgefilterte Punkte wie Netzwerkorientierung, das Verlassen der Opferrolle und eine umsichtige Zukunftsplanung.

In den Seminaren zum Thema wird die in diese oder ähnliche Komponenten aufgeschlüsselte Resilienzkompetenz der Teilnehmer häufig anhand von Fragebögen getestet. Dabei schätzen sie ein, wie schnell sie etwa bei Problemen aufgeben, wie gut sie einen Fehler verdauen oder andere Menschen um Hilfe bitten können. „An dem Ergebnis lässt sich sehr gut ablesen, wo der Einzelne noch zulegen kann“, erklärt etwa Dr. Klaus Sejkora von der Gesellschaft für Personalentwicklung (GfP) in Wien. Er setzt einen entsprechenden Test seit Jahren bei seinen Coachings ein und bietet in diesem Sommer ein erstes offenes Seminar zum Thema an.

Eine wichtige Frage bei der Konzeption von Resilienztrainings in der Gruppe ist, wie offen die Teilnehmer ihre individuellen Probleme ansprechen sollen. Sollen sie ganz konkret über ihre Sorgen und Nöte sprechen oder bleibt das Training auf einer allgemeineren Ebene? Letzteres ist laut den Experten vor allem bei firmeninternen Angeboten sinnvoll. Hier sei das Thematisieren persönlicher Ängste und Sorgen häufig problematisch. Und auch, wer nicht über seine eigenen Belastungen spreche, könne wertvolle Erkenntnisse für sich gewinnen. “Man muss auch über die Ergebnisse der Tests nicht öffentlich sprechen“, ist Rampe überzeugt. Wichtige Mechanismen zur Krisenbewältigung könne man auch losgelöst von den persönlichen Erfahrungen der Teilnehmer diskutieren.

Kürzere Seminare von ein bis zwei Tagen sollten nach Ansicht der Experten in erster Linie als Anstoß und Anleitung zum Selbstcoaching verstanden werden. Denn natürlich wissen sie: So schnell wird niemand vom grüblerischem Schwarzseher zum fröhlichen Krisenbewältiger. Vielmehr gelte es, die Teilnehmer für das Thema zu sensibilisieren und mit ihnen einen Handlungsplan für die Zukunft zu erstellen. Laut den Trainern ist das Resilienzmodell, das ganz offensichtliche Parallelen zu Work-Life-Balance- und Selbstmanagementkonzepten aufweist, sehr eingängig. So erklärt etwa Jörg Reher: „Coachees und Workshop-Teilnehmer lernen schnell anhand der sieben Säulen zu prüfen, welche Akkus bei ihnen aufgeladen werden sollten.“

Ein Patentrezept gibt es für die Seminarteilnehmer beim Thema Resilienz allerdings nicht: „Was bei dem Einzelnen konkret hilft und was nicht, muss jeder selbst herausfinden“, erklärt Rampe, die Resilienzworkshops in erster Linie als Anleitung zur sorgfältigen Selbstbeobachtung versteht. Sowohl die Belastungsmomente als auch die Gegenmittel sind nämlich individuell verschieden. „Was dem einen Angst macht, kann für den anderen ein Kinderspiel sein. Und was dem einen hilft, ist für den anderen vielleicht sogar kontraproduktiv“, so die Resilienz-Expertin. So schöpfe ein Mitarbeiter in einer akuten Krise vielleicht Kraft, indem er sich erst einmal zurückzieht, der andere spreche lieber ausgiebig mit Freunden und Bekannten.

Häufig binden die Trainer und Berater Übungen zur psychischen Widerstandskraft in bereits bestehende Managementprogramme oder Veränderungsprojekte ein. Losgelöste Resilienztrainings sind im deutschsprachigen Raum hingegen noch selten, der Resilienztrainingsmarkt steckt noch in den Kinderschuhen: Workshops werden angekündigt, umbenannt und verschoben, Geschäftspartner finden zusammen und trennen sich wieder. Wer erstmals ein offenes Seminar anbietet, kann nicht wirklich einschätzen, ob sich auch genügend Teilnehmer anmelden. Klaus Sejkora von GfP, der im Coaching mit dem Resilienzkonzept gute Resultate erzielt, spricht bei seinem Pilotseminar auch ganz offen von einem Test.

Eine mögliche Erklärung für die Startschwierigkeiten ist sicher der noch geringe Bekanntheitsgrad des Themas. Zum anderen aber könnten potenzielle Kunden Resilienz zu stark mit dem Thema Scheitern verbinden, welches in der Wirtschaftswelt noch immer gerne unter den Tisch gekehrt wird. Ein Fehler – wie die Trainer finden. Denn: Erstens verläuft heute kaum eine Karriere oder ein großes Projekt ohne Rückschläge. Zweitens hilft Resilienz längst nicht nur bei großen Bedrohungen wie Arbeitslosigkeit oder schwerer Krankheit, sondern auch bei alltäglichen Herausforderungen – etwa einem Disput mit dem Chef, dem Verlust eines wichtigen Kunden oder permanenten Absagen bei der Kaltakquise.

So erklärt etwa Micheline Rampe: „Auch im Hinblick auf die Teamarbeit profitiert das Unternehmen.“ Die Mitarbeiter hätten sich selbst besser im Griff und würden mehr Verständnis für individuelle Belastungsmomente ihrer Kollegen entwickeln. Und Sylvia Geisler, Senior Consultant bei Lee Hecht Harrison, der Managementberatung des Personaldienstleisters Adecco Human Capital Solutions, ergänzt: „Resilienz hilft auch dabei, sich schneller in einer neuen Abteilung zurecht zufinden oder im fortgeschrittenen Alter eine neue Herausforderung anzunehmen.“

Bei Lee Hecht Harrison wird der Begriff Resilienz daher auch ganz losgelöst von bedrohlichen Tabuwörtern wie „Scheitern“ oder „Krise“ gebraucht. Hier bedeutet Resilienz schlicht: Veränderungen besser bewältigen zu können. Angeboten werden zwei Workshop-Konzepte: eines zum Thema persönliche Resilienz und eines für Führungskräfte, die die Resilienz ihrer Mitarbeiter fördern möchten.

Nach Ansicht von Geisler ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis sich das Thema auf breiter Ebene durchsetzt. „In einigen Jahren wird Resilienz einen festen Platz unter den wichtigsten HR-Themen haben“, ist die Beraterin überzeugt, die bereits mehrere Trainings in Wirtschaftsunternehmen durchgeführt hat. Auch Micheline Rampe will weiterhin in den Unternehmen, aber auch bei Kongressen und Informationsveranstaltungen Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit leisten.

Dabei kann es sicher nicht schaden, immer wieder auf die Erfolge in den USA zu verweisen: Hier erzielt zum Beispiel das Institut Adaptiv Learning Systems, bei dem Resilienz-Vorreiter Andrew Shatté tätig ist, messbare Leistungssteigerungen etwa bei Verkaufsteams oder Supportmitarbeitern. Bestechend ist auch die Klarheit des in 30 Jahren Forschung sorgfältig evaluierten Programms. Dieses ist ganz stringent an der Erkenntnis ausgerichtet, dass das Ausmaß einer Krise oder Belastung stark von den Gedanken abhängt, die sich der Betroffene macht. Und dass sich ein funktionaler Umgang mit Gedanken und Emotionen trainieren lässt.

So helfen die Trainer des Instituts den Mitarbeitern mit Hilfe eines Sieben-Schritte-Programms (siehe Kasten) dabei, in herausfordernden Situationen ihre spontanen Gedanken und Gefühle zu kontrollieren, damit sie angemessener und wirkungsvoller reagieren können – sei es auf harsche Kritik vom Chef oder unerwartete Umsatzeinbrüche. Besonderen Wert legen sie dabei auf die Bedeutung einer guten Balance von optimistischem und realistischem Denken. Shatté spricht auch vom „akkuraten Denken“ als einem der wichtigsten Schlüssel zum Erfolg.

Damit liefert Shatté nicht nur einen Begriff, der das Potenzial haben könnte, das ebenso schwammige wie viel gescholtene „positive Denken“ abzulösen. Er trifft auch genau eine der Fähigkeiten, die bei dem Unternehmer und Restarter Alfred Lanfer sofort auffallen. Auch er hat trotz unerschütterlichen Glaubens an ein gutes Ende die Augen vor unangenehmen Wahrheiten nicht verschlossen. Stattdessen hat er seine Situation klar analysiert und inmitten der unternehmerischen Krise erkannt: „Ich bin ein guter Techniker und kann auch eine Kalkulation sauber durchführen, aber ich bin kein Betriebswirt.“ Und: „Eine Firma kann man heute nicht mehr als Einzelkämpfer führen, man braucht auch Spezialisten für die Finanzierung und das Marketing.“ Er handelte umgehend und heuerte einen zweiten Geschäftsführer an.

 

Die sieben Säulen der Resilienz

Im deutschsprachigen Raum verbreiten sich derzeit vor allem die „sieben Säulen der Resilienz“, in die sich psychische Widerstandsfähigkeit aufschlüsseln lässt. Sie werden zum Beispiel von Micheline Rampe in ihrem Buch „Der R-Faktor“ vorgestellt.

1. Säule: Optimismus
Wer eine Krise bewältigen möchte, sollte fest daran glauben, dass Krisen zeitlich begrenzt sind und überwunden werden können.

2. Säule: Akzeptanz
Die schwierige Situation sollte angenommen werden. Ja, man hat eine Absage bekommen! Ja, man verliert eventuell den Job! Erst, wenn man den schmerzlichen Tatsachen ins Auge geblickt hat, kann man weitere Schritte unternehmen.

3. Säule: Lösungsorientierung
Optimismus und Akzeptanz führen zum nächsten Schritt. Es gilt zu überlegen: Was sind mögliche Lösungen für die gegenwärtige bedrohliche Situation? Aber auch: Wie gehe ich mit dem Stress um, der eine akute Krise begleitet?

4. Säule: Die Opferrolle verlassen
In die Opferrolle zu schlüpfen, ist verführerisch. Irgendwann jedoch gilt es, sich auf seine Stärken zu besinnen, die Realität angemessen zu interpretieren und wieder auf die Füße zu kommen.

5. Säule: Verantwortung übernehmen
Zu resilientem Verhalten gehören die Bereitschaft und die Reife, Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Wichtig ist aber auch die Entscheidung, sich nicht zum Sündenbock zu machen.

6. Säule: Netzwerkorientierung
In den Resilienzstudien verfügen die erfolgreichen Testpersonen in der Regel über ein stabiles soziales Umfeld. Um dieses aufzubauen und zu pflegen, empfiehlt sich aktives Networking.

7. Säule: Zukunftsplanung
Hier geht es um eine solide und umsichtige Zukunftsplanung. Dazu gehört, zu versuchen, sich durch gute Vorbereitung gegen die mit großer Wahrscheinlichkeit eintretenden Wechselfälle des Lebens zu schützen. Unter anderem gilt es, das berufliche Entwicklungspotenzial realistisch auszuloten.

 

Die sieben Schlüssel zur Resilienz

Auch der in den USA wirkende Wissenschaftler und Trainer Andrew Shatté kommt bei seinem Resilienzprogramm auf die Zahl sieben. Er gibt mit den sieben Schlüsseln zum Erreichen innerer Stärke in erster Linie eine Anleitung zum „akkuraten Denken“. Dabei stellt er folgende Aspekte in den Vordergrund:

1. Schlüssel: Gedanken beobachten
Unsere Gedanken sind dafür verantwortlich, wie wir uns fühlen. Die erste Stufe des Resilienzprogrammes ist es daher, in schwierigen Situationen darauf zu achten, welche Gedanken genau Unwohlsein auslösen und wie realistisch sie sind. Eine wichtige Technik ist es, die Gedanken aufzuschreiben und genau zu untersuchen.

2. Schlüssel: Denkfallen identifizieren
Häufig lassen wir uns immer wieder am selben Punkt von einem hilfreichen Denkmuster abbringen. Wer sich zum Beispiel nach einem Fehlschlag prinzipiell allein die Schuld gibt, fühlt sich schwach und kraftlos. Solche Denkfehler gilt es zu identifizieren und zu korrigieren.

3. Schlüssel: Eisberg-Überzeugungen aufspüren
Jeder hat tief sitzende Vorstellungen davon, wie Menschen sich zu verhalten haben und wie Dinge gemacht werden sollten. Sie werden hier Eisberg-Überzeugungen genannt, weil sie das Denken, Handeln und Fühlen eines Menschen unbewusst beeinflussen. Häufig sind sie zu starr und wenig förderlich. Auch sie sollten daher aufgespürt und auf ihre Gültigkeit hin überprüft werden.

4. Schlüssel: Problemlösekompetenz trainieren
Hier geht es vor allem darum, zu überprüfen, wie man Probleme analysiert und nach Lösungsmöglichkeiten sucht. Hier ist es zum Beispiel wichtig, dass man die Situation realistisch einschätzt und sich nicht zu starr auf einen Lösungsweg fixiert.

5. Schlüssel: Katastrophendenken stoppen
Wer immer gleich an das Schlimmste denkt, lähmt sich in kritischen Situationen selbst. Es gilt daher zu lernen, furchterregendes „Wenn-dann“-Denken zu stoppen und sich stattdessen einen konkreten Plan zur Krisenbewältigung zu machen.

6. Schlüssel: Beruhigen und Fokussieren
Wer sehr aufgeregt und angestrengt ist, hat oftmals nicht die nötige Kraft und Ruhe, um in einer Krisensituation die notwendige Gedanken- und Impulskontrolle vorzunehmen. Es gilt daher auch, eine gute und wirkungsvolle Entspannungstechnik für sich zu finden.

7. Schlüssel: Resilienztechniken in Echtzeit praktizieren
Hier geht es um die Integration der vorgestellten Resilienztechniken in den Arbeitsalltag. So sollten zum Beispiel schädliche Gedanken sofort durch angemessene Gedanken ersetzt werden. Wer sich beispielsweise bei dem Gedanken ertappt: „Immer geht alles schief“, hält sofort dagegen: „Das stimmt nicht. Ich habe in meinem Leben schon vieles geschafft.“

Vgl.: Karen Reivich/Andrew Shatté: „The Resilience Factor. 7 Keys to Finding Your Inner Strength and Overcoming Life´s Hurdles.”

 

Service

Bücher

Micheline Rampe: „Der R-Faktor. Das Geheimnis unser inneren Stärke“, Taschenbuchausgabe 2005, ISBN-10: 3-426-87260, 8,95 Euro.

In ihrem Ratgeber stellt Micheline Rampe die in Deutschland weit verbreiteten sieben Säulen der Resilienz ausführlich vor. Das Buch ermöglicht dem Leser zudem einen ausführlichen Selbsttest.

Karen Reivich, Andrew Shatté: „The Resilience Factor. 7 Keys to Finding Your Inner Strength and Overcoming Life´s Hurdles” Broadwaybooks, Paperback Edition 2003, ISBN 0-7679-1191-1, 14,95 US-Dollar.

Die Resilienz-Vorreiter Karen Reivich und Andrew Shatté stellen das Programm vor, das von der University of Pennsylvania über lange Jahre entwickelt und erprobt wurde. Auch in ihrem Buch ist ein Test enthalten.

Al Siebert: “The Resiliency Advantage. Master Change, Thrive Under Pressure and Bounce Back From Setbacks”, ISBN-13: 978-1-57675-329-3, 14,95 US-Dollar.

Al Siebert ist die zweite Resilienz-Koryphäe in den USA. Auch er erklärt in seinem Buch ausführlich sein Konzept zum erfolgreichen Überwinden von Krisen und Rückschlägen. Im vergangenen Jahr wurde er dafür mit einem Preis für den besten Lebensratgeber ausgezeichnet.

Websites

www.adaptivlearningsystems.com
Der Webauftritt des Instituts Adaptiv Learning Systems, das die Forschungserkenntnisse der University of Pennsylvania umsetzt. Mit eindrucksvoller Referenzliste.

www.resiliencycenter.com
Die Website von Al Siebert. Der renommierte Managementpsychologe stellt die Eckpunkte seines Trainingskonzepts vor und einen umfangreichen Test bereit.

ANDREA BITTELMEYER

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