Sparkasse, Februar 2008

Die Förderer

Lange Zeit haben Förderkredite ein stiefmütterliches Dasein gefristet – heute gehören sie für die Sparkasse Ingolstadt zum Tagesgeschäft. Aktuelles Vorzeigeprojekt: Die Finanzierung eines großen Möbelhofes – mit Darlehen von der KfW und der bayerischen Förderbank LfA.

Denkt Jürgen Wittmann an die Bauarbeiten im Gewerbegebiet Weiherfeld im Süden von Ingolstadt, gerät er ins Schwärmen: „Das ist derzeit die schönste und größte Baustelle in der Region“, erklärt das Vorstandsmitglied bei der Sparkasse Ingolstadt. „Zudem handelt es sich um eine der beiden größten Investitionen im Einzelhandel in den vergangenen 20 Jahren.“ Schon als er von den Plänen für den neuen Möbelhof erfuhr, wusste er: „Da wollen wir unbedingt dabei sein.“

Wittmann und die Sparkasse Ingolstadt sind dabei. Die Sparkasse ist bei einer Gesamt-Investitionssumme von etwa 40 Mio. Euro das hauptfinanzierende Institut. Diesen Erfolg schreibt Wittmann nicht zuletzt dem sorgfältig ausgewählten Mix aus öffentlichen Förderkrediten zu, mit dem die Sparkasse einen großen Teil des Finanzierungskonzepts abdeckt. „Damit konnten wir günstigere Konditionen anbieten und haben den Kunden überzeugt“, erklärt Wittmann. Er ist sich sicher: „Die Konkurrenz hat auch nicht geschlafen.“

„Es kamen auch andere Banken auf uns zu“, bestätigt der Unternehmer Georg Stephan, der den neuen Möbelhof baut. „Wir haben ein sehr gesundes Unternehmen, da steigen die Geldgeber gerne ein“, freut er sich. Stephan betreibt im 6000-Einwohner-Ort Parsberg, an der A3 zwischen Nürnberg und Regensburg gelegen, bereits einen florierenden Möbelhof. Dort hatte er 1980 mit drei Leuten begonnen. Heute beschäftigt der Möbelhof über 180 Mitarbeiter und verfügt über 20.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, der Jahresumsatz beläuft sich auf rund 30 Mio. Euro. „Wir sind permanent gewachsen – zwar nicht besonders schnell, aber immerzu. Wir haben alle fünf Jahre gebaut und alle fünf Jahre den Umsatz verdoppelt. Dadurch haben wir eine starke Eigenkapitalbasis“, erklärt Stephan.

Nun gibt es in der Geschäftsleitung in Parsberg auch seit einiger Zeit einen Junior-Chef, Martin Stephan, der den Möbelhof später weiterführen soll. Die Zeichen stehen auf Expansion und die Wahl fiel auf Ingolstadt. Die Stadt zählt in Sachen Bevölkerung und Kaufkraft zu den am schnellsten wachsenden Städten in Deutschland. Nicht zuletzt dank Hauptarbeitgeber Audi gibt es quasi Vollbeschäftigung. Der neue Möbelhof soll über 38.000 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten. Es wird ein Restaurant, ein Bistro und Kinderbetreuung geben. Das schafft insgesamt 250 bis 300 Arbeitsplätze. „Auch in Ingolstadt wollen wir der Platzhirsch werden – angestrebt ist die klare Markt- und Preisführerschaft“, sagt Junior-Chef Martin Stephan.

Der neue Möbelhof, der im Sommer 2008 eröffnen soll, ist längst nicht das einzige Projekt, bei dem die Sparkasse Ingolstadt mit Förderkrediten von der KfW und bayerischen Förderinstituten wie der LfA arbeitet. „Förderkredite ermöglichen oftmals günstigere Konditionen“, erklärt Wittmann. Sie hätten lange Zeit ein stiefmütterliches Dasein gefristet. Heute seien jedoch Existenzgründungen, aber auch Investitionen häufig nur über diese zinsvergünstigten Darlehen möglich. Zu den Vorteilen der öffentlich geförderten Kredite zählen dabei nicht nur die für den Unternehmer günstigeren Zinsen, häufig geht es auch um andere Laufzeiten, Haftungsfreistellungen für die Bank sowie eine anfängliche Tilgungsfreistellung oder Sondertilgungsrechte für den Unternehmer. Die Sparkasse Ingolstadt ist unter den bayerischen Sparkassen die Nummer Eins bei der Vermittlung von Förderkrediten, das Institut gibt die meisten dieser Darlehen aus. Wittmann erklärt: „Die Recherche öffentlicher Förderdarlehen gehört bei uns zum Tagesgeschäft.“ 

Für den Unternehmer Georg Stephan und seinen Sohn hingegen war die Einbindung öffentlicher Förderkredite gar nicht so selbstverständlich. „Wir waren überrascht davon, welche Möglichkeiten es auch für eine Investition in unserer Größenordnung gibt“, erklärt der Senior. „Landläufig herrscht ja eher die Meinung, dass öffentliche Fördermittel nur bei kleineren Darlehen zum Einsatz kommen. Dass man auch in unserer Größenordnung zinsvergünstigte Kredite bekommt, war uns neu.“ Auch von der Geschwindigkeit der Kreditzusage und der reibungslosen Abwicklung war Stephan angetan: „Geschwindigkeit und Kompetenz der Sparkasse haben überzeugt: Wir haben einmal unsere Unterlagen zusammengestellt. Dann kam schon die Entscheidung.“ Von einem Behördenmarathon, den man beim Thema Fördergeschäft vermuten könnte, war dieser Ablauf weit entfernt.

Was die Unternehmer dabei kaum gemerkt haben: Sie hatten es nicht allein mit der Sparkasse Ingolstadt zu tun. Im Hintergrund arbeitete auch die BayernLB eifrig an der Finanzierungsprüfung für den neuen Möbelhof. Dort gibt es nämlich eine Abteilung, die auf Förderkredite spezialisiert ist und allen bayerischen Sparkassen zuarbeitet. Sie umfasst 27 fest angestellte Mitarbeiter, die sich ausschließlich um das Fördergeschäft kümmern und die Recherche und auch die Abwicklung der Darlehen von Bund, Land und EU übernehmen. Dadurch, dass sich die Mitarbeiter Tag ein Tag aus mit dem Thema beschäftigen, haben sie einen besonders guten Durchblick im oftmals komplizierten Förderdschungel.

„Es ist zum Beispiel gar nicht so einfach, den richtigen Mix aus den verschiedenen Angeboten zu finden“ erklärt Günther Reithmeir, der Chef der Spezialeinheit. So seien in Bayern etwa 40 bis 50 Programme von Bund und Land relevant, zu denen es wiederum zahlreiche Unterprogramme gebe. Reithmeir: „Wir gehen bei der Auswahl konsequent und strukturiert vor und suchen die beste Kombination heraus.“ Aufgestellt – so erklärt Reithmeir – hat er sich wie ein Industriebetrieb: vorne der Vertrieb, der die Sparkassen unter anderem bei der Erarbeitung einer optimalen Finanzstruktur unterstützt und hinten die Produktion, die dafür sorgt, dass die Anträge bei den Förderstellen möglichst reibungslos durchlaufen.

Reithmeir hat den Bereich Fördergeschäft bei der BayernLB vor rund zwei Jahren übernommen. Seitdem gibt es hier eine dynamische Entwicklung. So wurden etwa im Jahr 2006 gemeinsam mit den Sparkassen zwei Milliarden Euro an zinsverbilligten Krediten von KfW, LfA und der landeswirtschaftlichen Rentenbank ausgereicht, 2005 waren es 1,3 Milliarden Euro. „Und 2007 lag das Volumen bereits bei 2,4 Milliarden Euro“, berichtet Reithmeir. Gegenüber Hausbankkrediten können laut dem Experten die Förderkredite aus dem Umweltsektor über die gesamte Laufzeit hinweg im Schnitt zwischen ein und zwei Prozent günstiger sein. Bei anderen Programmen liege der Unterschied eher im Bereich von 0,5 oder 0,25 Prozent. Der kleinste Förderkredit, der bei Reithmeir bislang bearbeitet wurde, lag im Wohnungssektor bei 2000 Euro, der größte waren 130 Millionen Euro. „Aber auch damit sind wir noch nicht am Ende“, ist Reithmeir überzeugt.

Vom Kunden brauchen die Spezialisten der BayernLB einen ausführlichen Investitionsplan für sein Vorhaben, in dem er genau erklärt, was er in Grundstück, Gebäude, Personal oder Warenlager investieren möchte. Daraufhin wird nach den Krediten gesucht, die am besten passen. Dabei gilt laut Reithmeir: „Der auf den ersten Blick zinsgünstigste Kredit ist nicht unbedingt der beste.“ Sondertilgungsmöglichkeiten, absolute Zinssicherheit oder die vor allem für die Existenzgründerfinanzierung wichtige Haftungsfreistellung der Bank könnten auch einen teureren Kredit rechtfertigen. Hinzu komme: „Auch die Sparkasse muss überlegen, wie gut sich die in Frage kommenden Förderkredite mit ihrem eigenen Angebot kombinieren lassen.“ Im Fall des Möbelhofes kamen der Unternehmerkredit der KfW sowie der Universalkredit, der Investiv- und der Ökokredit der LfA Bayern zum Einsatz – eine Kombination aus bundesweiten und regionalen Fördermitteln also. Neben den Zinssätzen spielte für die Unternehmer vor allem das in den Programmen enthaltene Sondertilgungsrecht eine wichtige Rolle.

Was bei diesem Paket die Anforderungen an die Förderkredit-Spezialisten der BayernLB betrifft, sind laut Reithmeir der Unternehmer- und der Universalkredit eher Standard, der oftmals besonders attraktive Ökokredit erfordere hingegen schon besondere Kenntnisse der Förderlandschaft. Hier müsse ganz genau herausgearbeitet werden, wie die ökonomischen und ökologischen Kriterien für diese Darlehen erfüllt werden können. Auch eine frühzeitige Einbindung seines Expertenteams sei bei den Umweltprogrammen besonders wichtig. So könne die Landesbank zum Beispiel den Hinweis geben, dass eine bestimmte Heizung ein bestimmtes Förderprogramm ermöglichen würde. Reithmeir: „Dann kann es sein, dass sich aufgrund der Finanzierungsprüfung das Investitionsvorhaben verändert, damit es günstige Förderdarlehen gibt.“ Schließlich würde man hier unter Umständen über ein Prozent Zinsunterschied reden. Bei einer Laufzeit von zehn, 20 oder sogar 30 Jahren falle dies durchaus ins Gewicht.

Wird die Kreditvergabe besonders kompliziert und schwer überschaubar, verlassen die Landesbanker auch schon mal ihren Posten im Backoffice und kommen mit ins Kundengespräch. Zu ihrer Expertise kommt noch ein weiterer Vorteil des Kooperationsprinzips zwischen Landesbank und Sparkassen, das auch in den meisten anderen Bundesländern gilt: „Das Volumen, das wir vermitteln, ist groß genug, um zum Beispiel auch von der KfW wahrgenommen zu werden“, erklärt Reithmeir, der dort damit besser wichtige Kontakte knüpfen und den Anliegen der Sparkassen-Finanzgruppe Gehör verschaffen kann. Dasselbe gilt für die Förderinstitute des Landes, insbesondere die LfA.

Das Angebot der BayernLB wird von den Sparkassen gerne angenommen: „Ich sehe mich als Generalisten. Ich habe den direkten Kontakt zum Kunden und muss sehen, wen ich als Spezialisten hinzuziehe“, erklärt der für den Möbelhof zuständige Firmenkundenbetreuer der Sparkasse Ingolstadt, Bernhard Haunschild. Und – so er ergänzt: „Diese Mal ist es sogar ganz besonders toll gelaufen. Als die Entscheidung anfiel, hatte ich einen Mitarbeiter der BayernLB direkt vor Ort.“ Dieser hatte in der Sparkasse Ingolstadt hospitiert, um das Geschäft der Kooperationspartner besser kennen zu lernen.

Letzlich profitieren auch die Unternehmer, denen in Sachen Finanzierung der Rücken freigehalten wird. Schließlich sind zum Beispiel Georg und Martin Stephan in der Bauphase ohnehin viel beschäftigt. Für sie gibt es nicht nur die große Baustelle im Gewerbegebiet: Ein Jahr vor der geplanten Eröffnung des Möbelhofes im Sommer 2008 wurden auch bereits die ersten Führungskräfte eingestellt, die derzeit in Parsberg das Geschäft, aber auch die Unternehmensphilosophie gründlich kennen lernen sollen. „Wir wollen die Führungskräfte so einarbeiten, dass sie sicher sind und damit die Fehlerquote so gering wie möglich halten“, erklärt Martin Stephan. Die ausgiebige Schulung ist seiner Ansicht nach besonders wichtig, weil die Teamleiter später ihre Bereiche eigenständig steuern sollen. „Sie bestimmen zum Beispiel selbst die Preise und stellen auch die Mitarbeiter ein.“ Zurzeit leiten die künftigen Teamleiter in Ingolstadt selbstständig einen Bereich in Parsberg. Damit sie im bayerischen Winter nicht jeden morgen um sechs Uhr bei Dunkelheit und Straßenglätte den Weg von Ingolstadt nach Parsberg antreten müssen, haben die Unternehmer ihnen eine WG am Ort eingerichtet. „Spannung und Vorfreude steigen dort täglich“, erklärt Stephan Junior.

So viel Einsatz für die Mitarbeiter zahlt sich aus. In der bisherigen Belegschaft des Möbelhofes Parsberg gibt es kaum Fluktuation. „Das bedeutet auch hohes Know-how“, freut sich Georg Stephan. Insgesamt ist dem bodenständigen Unternehmer auch die Verwurzelung am neuen Standort Ingolstadt sehr wichtig. Daher schätzt er es auch, mit der Sparkasse Ingolstadt einen regionalen Finanzpartner gefunden zu haben. Und auch die Sparkasse verweist auf die Vorzüge ihres regionalen Netzwerks. „Wir haben sehr frühzeitig von dem geplanten Projekt erfahren“, erklärt Wittmann, der daraufhin auch gleich die entsprechenden Hebel in Bewegung gesetzt hat. Für ihn sei das selbstverständlich, sagt er. „Als Marktführer in der Region möchten wir uns natürlich entsprechend platzieren.“

ANDREA BITTELMEYER

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